순례자 이야기 · 은의 길(비아 데 라 플라타)

Fünf Tage Extremadura: Weite, Störche und ein Camino fast für mich allein

편집팀이 쓴 이야기

Von Zafra über Mérida nach Cáceres auf der Vía de la Plata, allein, im April. Wer den Camino ohne Menschenmassen sucht, findet ihn hier: Korkeichen, Römerstraßen, Etappen von 36 Kilometern, Mönche, die Pilger aufnehmen, und eine Stille, die man in Deutschland nicht mehr findet.

Elisabeth Hartmann 4월 2024 · 5일 · 135 km

1일째 · 8 4월

Zafra – Villafranca de los Barros: Weinberge im Morgenlicht

Zwischen den Rebstöcken bin ich eine Stunde lang niemandem begegnet. Nur Lerchen. Ich habe laut gelacht vor Glück, und niemand hat es gehört.

Ich bin achtundfünfzig, Lehrerin in Freiburg, und ich gehe seit zehn Jahren allein. Den Francés habe ich zweimal gemacht und beim zweiten Mal in Sarria beschlossen, dass ich keine Menschenschlangen mehr will. Eine Kollegin sagte: «Dann die Vía de la Plata, aber nimm Wasser mit.» Sie hatte in beidem recht.

Zafra ist ein Schmuckstück und der ideale Start: Plaza Grande, Plaza Chica, ein Frühstück mit Tostada, Olivenöl und geriebener Tomate, das ich seither jeden Morgen zu Hause nachmache. Der Weg führt schnurgerade aus der Stadt, durch Weinberge und Olivenhaine, und schon nach zwanzig Minuten ist man allein. Wirklich allein: eine Stunde lang nur Lerchen, ein Traktor in der Ferne, der Wind in den Reben. Ich habe laut gelacht vor Glück, und niemand hat es gehört.

Villafranca

Villafranca de los Barros lebt vom Wein, und die Einheimischen grüßen jeden Pilger, weil sie so wenige sehen. Die Wirtin der Pension hat mir ein Stück Käse zum Abendessen geschenkt und gefragt, ob ich keine Angst hätte, so allein. Ich habe gesagt: nein, nur vor der Etappe morgen. Sie hat gelacht und mir einen zweiten Liter Wasser eingepackt.

거리
19.8 km
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숙박:
Pension in Villafranca

2일째 · 9 4월

Villafranca – Torremejía: die lange Gerade

27 Kilometer, kein Dorf, kein Baum. Nur der Weg und ich. Eine Sorte Stille, die man in Deutschland nicht mehr findet.

Das ist die Etappe, vor der alle warnen: keine Verpflegung, kaum Schatten, ein kerzengerader Feldweg durch Weinberge und Getreide, an dessen Ende irgendwann Torremejía liegt. Zwei Liter Wasser sind Pflicht, drei sind besser. Ich bin um halb sieben los, mit Stirnlampe, und die ersten zwei Stunden waren die schönsten des ganzen Camino.

Und trotzdem: eine meiner liebsten Etappen überhaupt. Der Horizont ist überall, die Störche sitzen auf jedem Strommast und klappern, wenn man vorbeigeht, und irgendwann hört man auf, an irgendetwas zu denken. Ich habe unterwegs ein einziges Auto gesehen und einen Schäfer, der mir mit dem Stock zugewinkt hat.

Torremejía

Torremejía hat eine Bar, in der man wie ein Held empfangen wird. Der Wirt hat mir, ohne dass ich bestellt hätte, ein Bier und einen Teller Oliven hingestellt und gesagt, das gehe aufs Haus, weil ich die Gerade geschafft hätte. Im Albergue war ich allein. Ich habe die Tür offen gelassen und den Grillen zugehört.

거리
26.7 km
기분
좋음
숙박:
Albergue in Torremejía

3일째 · 10 4월

Torremejía – Mérida: Rom in Spanien

Über die römische Brücke des Guadiana nach Mérida zu gehen, mit dem Rucksack, nach sechzig Kilometern Landschaft: Gänsehaut. Ich bin abends noch einmal hingegangen, nur um sie zu sehen.

Kurze Etappe, absichtlich. Fünfzehn Kilometer über flaches Land, und dann steht man plötzlich vor der längsten römischen Brücke, die noch existiert: sechzig Bögen über den Guadiana, und man geht über sie wie die Legionäre vor zweitausend Jahren, nur mit schlechteren Schuhen.

Mérida verdient einen halben Tag, mindestens. Das Theater, in dem im Sommer noch gespielt wird, das Amphitheater, der Tempel der Diana mitten zwischen den Wohnhäusern, das Museum, das man auch an einem Ruhetag nicht auslassen sollte. Ich habe auf den Stufen des Theaters gesessen und ein Eis gegessen und mich gefragt, warum ich so lange gebraucht habe, hierherzukommen.

Praktisch

Die Herberge ist klein; im Frühling lieber ein Hostal buchen, ich hatte Glück. Abends bin ich noch einmal zur Brücke gegangen, als die Lichter anstellten, und habe eine Viertelstunde lang einfach nur geschaut. Ein Pilger aus Sevilla, der Einzige, den ich in fünf Tagen traf, hat sich dazugesetzt. Wir haben kein Wort gesagt. Es war genau richtig.

거리
15.3 km
기분
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숙박:
Hostal im Zentrum von Mérida

4일째 · 11 4월

Mérida – Alcuéscar: die Königsetappe

Der Stausee von Proserpina bei Sonnenaufgang, und am Abend die Mönche in Alcuéscar, die Pilger aufnehmen, ohne eine Frage zu stellen.

Fast sechsunddreißig Kilometer. Ich bin um sechs los, im Dunkeln durch die leere Stadt, und am Proserpina-Stausee, den schon die Römer angelegt haben, war es noch kühl und still. Ab Aljucén wurde es heiß, richtig heiß, und der Weg zieht sich durch die Dehesa, diese offenen Korkeichenwälder, die mehr Schatten spenden, als man denkt, wenn man weiß, wo man geht.

Bei Kilometer 28 habe ich zum ersten Mal auf diesem Camino gezweifelt. Die Füße brannten, das Wasser war warm, und Alcuéscar wollte nicht näher kommen. Ich habe mich unter eine Korkeiche gesetzt, die Schuhe ausgezogen und zwanzig Minuten gewartet. Dann bin ich weitergegangen, weil es nichts anderes zu tun gab. Das ist die ganze Weisheit der Vía de la Plata.

Die Casa de la Misericordia

In Alcuéscar nimmt die Casa de la Misericordia Pilger gegen Spende auf. Die Mönche, die dort ein Heim für Menschen mit Behinderungen führen, fragen nichts und geben alles: ein Bett, eine Dusche, Abendessen mit den Bewohnern des Hauses. Ich saß neben einem Mann, der seit dreißig Jahren dort lebt und der mir stolz sein Zimmer gezeigt hat. Es war die berührendste Stunde meiner Reise, und ich schreibe das nicht leichtfertig.

거리
35.9 km
기분
피곤함
숙박:
Casa de la Misericordia, Alcuéscar

5일째 · 12 4월

Alcuéscar – Cáceres: Ankunft in der Steinstadt

Die Altstadt von Cáceres im Abendlicht, ganz aus Stein, ganz still. Ich habe mich auf die Stufen der Plaza Mayor gesetzt und fünf Tage Revue passieren lassen.

Die längste Etappe, teils auf der originalen Römerstraße, mit Meilensteinen am Wegrand, die man anfassen kann. Ich bin früh los, mit dem Segen des Mönchs an der Tür, und habe Aldea del Cano und Valdesalor als Pausen eingeplant, so wie es die Wirtin in Villafranca geraten hatte. Beides kleine Dörfer mit einer Bar, einer Kirche und Störchen auf dem Kirchturm.

Die letzten zehn Kilometer nach Cáceres sind flach und lang, und die Stadt kündigt sich lange vorher an. Ich habe unterwegs gerechnet: fünf Tage, hundertfünfunddreißig Kilometer, zwei Pilger getroffen, ungefähr vierhundert Störche. Ich habe mir vorgenommen, das niemandem zu erzählen, der es nicht versteht.

Cáceres

Cáceres ist das schönste Ende, das man sich wünschen kann: eine Altstadt ganz aus Stein, Paläste, Türme, Gassen, in denen es abends still wird. Ich habe mich auf die Stufen der Plaza Mayor gesetzt, die Schuhe neben mir, und fünf Tage Revue passieren lassen. Wer nur eine Woche hat: Diese fünf Tage sind die Vía de la Plata in Reinform. Wer mehr hat, geht weiter nach Salamanca. Ich komme wieder, im Oktober, wenn die Störche zurück sind.

거리
37.4 km
기분
아주 좋아요
숙박:
Pension in der Altstadt von Cáceres